Komplexität Emergenz Leben 4.Teil

kM = Ko-evolutive Mensch
E = Energie /Körperwärme/Schmelz-Schmied-Kochwärme, Zelte, Hütten, Kleidung, Häuser, Siedlungsoptimierung, Urbanisierung [Energiewirtschaft, Infrastruktur der Energieversorgung]
M = Metabolismus, Stoffwechsel / Versorgung der Zellen mit Nährstoffen, Entsorgung von Reststoffen; Luft, Wasser; Horti-Kulturen, Ackerbau, Landwirtschaft, Domestizierung von Pflanzen und Tieren, Bio-Technologie, Synthetische Biologie [Lebensmittelwirtschaft]
I = Information / multisensorische Versorgung mit orientierungs-, lokalisierungs- reflexionsrelevanten Informationen, – iterative Musterbildung, musteraktivierende Modellbildung, pragmatisch, abstrakt, datentechnisch; [klerikale, institutionelle, typografische, datentechnische, netztechnische Informationswirtschaft]
n = nichtlineare, evolutionär offene Variationsvielfalt aller möglichen Verbindungsnetze; zahlreiche Ding-, Sach-, Umwelt-Anforderungen, Katastrophen, Konkurrenz, Kooperationen
©mafaStamod2016

ELAIII

FASSLER: KOMPLEXITÄT. EMERGENZ. LEBEN (Teil 2 und 3)

Manfred Faßler, Komplexität. Emergenz. Leben (Teil 2 und 3)

(Für den vorausgehenden Teil 1 siehe HIER)

Allem Anschein nach sind wir schmalnasige Altweltprimaten, auf brillante Weise aufstrebende Tiere, genetisch durch unsere einzigartige Entstehungsgeschichte definiert, mit einem neuentdeckten biologischen Genius gesegnet und ohne Feinde auf der Heimstatt Erde, sofern wir uns keine suchen. Was bedeutet das alles? Das ist alles, was es bedeutet.“

E.O. Wilson, 1998: Die Einheit des Wissens,

München, 398

C

1 Großzügige Biologie?

Bislang sind in keinem Wissenschafts- und Technologiefeld folgende Fragen beantwortet:

– Wie – und unter welchen Bedingungen – wurden Intelligenz und Kultur möglich?

– Welche Wechselwirkungen zwischen Wahrnehmung, Unterscheidung, Denken und Entwerfen geben dem Menschen den biologischen Handlungsraum, sich mit Systemen des Nicht-Biologischen (Maschinen, Städten, Straßen, Flugzeugen, Computern) zu verbinden?

– Mehr noch: Wie ist erklärbar, dass Biologie in die Systeme des Nicht-Biologischen ´investiert´, ihre ´Fitness´ in den smarten, künstlichen, virtuellen Welten zu verbessern sucht?

Edward O. Wilson nahm vor zwei Jahrzehnten ähnliche Fragen zum Anlass, sich den biologischen Bedingungen zu widmen. Er schrieb in „Die Einheit des Wissens“ (1998):

Gene legen keine Konventionen wie etwa Totemismus, die Bildung eines Ältestenrates oder religiöse Zeremonien fest. … Richtig aber ist, dass diverse Gruppen von genetisch bedingten epigenetischen Regeln den Menschen dazu prädisponieren, solche Konventionen zu erfinden und zu übernehmen.“ (224)

Diese „epigenetischen Regeln“ (nach-genetisch, also nicht festgelegt, sondern abhängig von anderen biologischen und nicht-biologischen Lebensmöglichkeiten) beeinflussen die Fähigkeiten des Menschen, aus Umwelt seine Mitwelt, seine Nischen zu machen. Warum evolutionär diese enormen Wahrnehmungs- und Handlungsfähigkeiten des Menschen entstanden sind, ist damit noch nicht umfassend erklärt.

Für Mehr siehe das folgende PDF-Dokument:

ELAII-MaFa-2Febr2016-Teil2+3

Fassler: Komplexität. Emergenz. Leben – Teil1

Manfred Faßler, Komplexität. Emergenz. Leben – Beiträge zum Arbeitsbereich ´Emerging Life Academy´ des Instituts für Neue Medien, Frankfurt

(Für Teil 2+3 siehe HIER)

(Manfred Faßler, Sen. Professor an Goethe-Universität Frankfurt; dort: Soziologe / Anthropologe, hier /INM – Emergent Life Academy: Entwicklungswissenschaftler; fasslermanfred@aol.com
Der heute vorgelegte Text ist der Erste Teil von vier Dateien, die sich mit den Anforderungen an eine evolutionär angelegte Entwicklungswissenschaft befassen. Sie begleiten den Prozess, am Institut für Neue Medien / Frankfurt den Arbeitsbereich „Emerging Life Academy“ anzusiedeln.)
„Das Leben begann als etwas Ganzes und miteinander Verbundenes, nicht als etwas Unzusammenhängendes und Unorganisiertes.“
Stuart Kauffman

A
Plädoyer für eine Entwicklungswissenschaft

1. Evolution: weder Erfolg noch zählbare Ergebnisse

Über einige Monate trafen wir uns, Gerd Döben-Henisch und ich, zu Gesprächen über die Frage, wie sich Veränderungen von Lernverläufen, Hervorbringung von Kreativität, Neuorganisation von individuellen und kulturellen Denkhierarchien beobachten und untersuchen lassen. Veränderung war zunächst als Arbeitsbegriff gedacht. Er war breit ausgelegt. Mal debattierten wir darüber, wie visuelle Wahrnehmungsdaten beim Menschen zu motorischen Reaktionen führen, mal sprachen wir über nicht-visuelle Datenverarbeitung und Spielarten visueller Wahrnehmungssteuerung am Bildschirm, mal diskutierten wir kulturelle, berufliche, individuelle Übergangswahrscheinlichkeiten in der Art und Weise der Signalverarbeitung. Irgendwann wurde klar, dass es nicht nur um Ergebnisse und Erfolge solcher situativen Verarbeitungen ging. Diese sind nur erklärbar, wenn man neben den Phänomenen und der Performanz berücksichtigt, dass Prozesse der Signalverarbeitung auch das System verändern, dass ´verarbeitet´: also das Gehirn und den (lernfähigen) Computer. Berücksichtigt man, dass diese nicht nur strukturell gekoppelt, sondern Akteure im sich ständig erweiternden Informationsuniversum sind, genügt es nicht, die Logik von Ergebnissen und Erfolgen als Erklärung abzulehnen. So nahmen wir in die Gespräche die Einsicht mit auf, dass „Nichtlinearität (…) also der mathematische Kern komplexer Systeme (ist), deren Dynamik sich in Phasenübergängen organisiert“ (Klaus Mainzer, 1999, 216; H.i.T.).

Eine leitende Schlussfolgerung war dann, Veränderungen, Neuorganisation, Übergänge und Übergangswahrscheinlichkeiten mit einem Konzept abhängiger Evolution (Koevolution) zu verbinden.
Diese Verbindungen von Veränderung und Evolution (Koevolution) nahm ich zum Anlass, eine Entwicklungswissenschaft vorzuschlagen, die sich den synergetischen Wechselwirkungen von belebten und unbelebten Informationsströmen widmet. Mir ging und geht es darum, eine Wissenschaft des Konkreten, der sich hervorbringenden Veränderungen und der beeinflussbaren Entwicklungen vorzuschlagen. Mir geht es um nicht weniger als wissenschaftliche Erforschung „lernfähiger Superorganismen“ (K. Mainzer) oder „evolutionärer Superorganismen“ (A. Leroi-Gourhan). Dabei werden wir von traditionellen Rationalitäts- und Relationsmodellen Abschied nehmen müssen und uns in die Welt engverwobener anorganisch-organischer Zusammensetzung unseres Lebens denken müssen. …

Für Mehr siehe das folgende PDF-Dokument:

ELAI-MaFa-11Jan2016-Teil1

VORSCHAU: TECHNOLOGIE UND EVOLUTION. Lektüre und Reflexion ab SS2016

Ab Sommersemester 2016 ist geplant, jeden 2.Dienstag im Monat (Beginn im April) ein öffentliches Lektüre- und Reflexionsseminar  zum Thema ‚Evolution und Technologie‘ anzubieten. Veranstalter sind Prof.Fassler (Goethe-Universität)  und Prof. Doeben-Henisch (Frankfurt University of Applied Sciences). Das Lektüre- und Reflexionsseminar steht in enger Korrespondenz zum interdisziplinären  Emerging Mind Projektes.